Okt 2009 hastuINTERESSE Nr. 28 0

Berufsqualifikation en masse?

Die einen fangen gerade an, die anderen haben es hinter sich: das Bachelor-Studium

22_Interesse_CareerCenter_MarkusFaerberMit dem 30. September hat sich bei vielen Studierenden der Name geändert. Auf einmal steht hinter Max Mustermann noch BA oder BSc. Der Bachelor ist, wenn man der Bologna-Reform glauben möchte, der erste berufsqualifizierende Studienabschluss. Die wenigsten Studierenden sehen das aber so; oft ist von einem »halben Abschluss« die Rede. Der Bachelor-Student lernt alles, qualifiziert sich aber für nichts.
Die meisten der Skeptiker liebäugeln deshalb schon jetzt mit einem Masterstudium, das zwar auch ein Kind von Bologna ist, aber im Gegensatz zum Bachelor weitaus mehr Ansehen genießt. Strenge NC-Regelungen und mangelnde Kapazitäten machen es aber unmöglich, jedem Bewerber einen Studienplatz zu garantieren. Was bleibt, ist der Sprung ins kalte Wasser: Ab ins Berufsleben.

Quo vadis, Bachelor?

Mit lediglich drei Jahren ist das Bachelor-Studium viel kürzer als das vorherige Diplom- und Magisterstudium. Mit dem Bachelorsystem kam man der Forderung (der Wirtschaft) nach, Studiengänge so zu konzipieren, dass nicht jeder Hochschulabsolvent auf eine wissenschaftliche Laufbahn getrimmt wird, für die sich meist nur ein geringer Prozentsatz der Studierenden wirklich interessiert. Von daher ist der Master in seiner Grundkonzeption als Befähigung zum wissenschaftlichen Arbeiten angedacht und somit sollte ein Bachelor absolut ausreichend sein, um einer Arbeit nachzugehen. Doch wo bewerben, mit dem nur »halbfertigen«Abschluss? Ronald Reifert vom Career Center der MLU weist auf einen entscheidenden Denkfehler hin: »Ein Bachelor ist nicht nutzlos. Es handelt sich um ein dreijähriges Studium, das einen berufsqualifizierenden Abschluss beinhaltet. Es ist ja auch nicht so, dass man in der ganzen Zeit nichts lernt.« Die Studierenden sollten viel mehr in ihre eigenen und erworbenen Fähigkeiten vertrauen, als sich von den Medien beeinflussen zu lassen.

Der erste Schritt…

Gerade bei den ersten Bewerbungen für »richtige« Jobs tun sich viele Studierende schwer – wie muss ein Lebenslauf aussehen? Was gehört in ein Anschreiben? Hier ist Ronald Reifert auf seinem Metier: »Genau da können wir den Studenten helfen!« Das Career Center der MLU bietet seit über einem Jahr Hilfe beim Erstellen von Lebensläufen, Bewerbungsmappen usw. an. Zusätzlich werden Vorstellungsgespräche in Workshops und Seminaren simuliert, damit die Berufseinsteiger in-spe nicht ins Fettnäpfchen treten. Auch BA-Studenten hätten auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen, so Reifert. Außerdem würde das neue Studiensystem nichts daran ändern, dass »viele neu zu besetzende Stellen gar nicht ausgeschrieben, sondern intern vermittelt werden«. Also gilt immer noch das alte Kredo: »Auf die Beziehungen kommt es an.« Wer sich also in seinen Praktika gut arrangieren konnte, der hat auch beim Berufseinstieg gute Karten.

»Derzeit haben wir ein, zwei Interessenten pro Woche …«

Trotz der großen Unsicherheit bei der beruflichen Karriere nutzen nur wenige Studierende den Service des Career Centers, sich in Sachen Berufs- und Karriereplanung beraten zu lassen. Reifert spricht von ein bis zwei Terminen pro Woche, in denen er sein Wissen, das er durch die Mitarbeit an Firmen- und Kontaktmessen erworben hat, weitergeben kann. »Einen generellen Trend, dass wir mehr Geistes- und Sozialwissenschaftler beraten, gibt es bisher nicht«, kommentiert der Berufsberater die derzeitige Situation im Career Center. Generell sieht er die berufliche Zukunft der »Generation Bachelor« weniger pessimistisch. »Und wer sich noch unsicher ist, kann gern einen Termin bei uns machen.«

Illustration: Markus Färber
Link zum Career Center: www.careercenter.uni-halle.de

Über Tom Leonhardt

Tom Leonhardt
Ehemaliger Mitarbeiter
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Erstellt: 05.10. 2009 | Bearbeitet: 05.10. 2009 04:54