Mrz 2007 hastuPAUSE 0

„Wohl bekomm’s!» – „Kabale und Liebe» im Neuen Theater

Eine süße Verlockung geht von der Limonade aus. Sie ist Anfang und Ende einer aussichtslosen Beziehung. Luise und Ferdinand lieben sich. Alles könnte so einfach sein, wären sie nicht unterschiedlicher Herkunft.

Die schöne Bürgertochter und der Präsidentensohn sollen, so haben es die jeweiligen Familien beschlossen, beide anderweitig verheiratet werden. Um diesen Plan durchzusetzen, greift der Präsident zu einer bösartigen Intrige.

Die Handlung von Schillers bürgerlichem Trauerspiel „Kabale und Liebe» ist den meisten wohl bekannt. Mehr ist auch nicht nötig, denn Regisseur Enrico Lübbe hat es wunderbar verstanden, alten Text mit neuen Bildern zu vereinen. So bleibt der Klassiker authentisch und wirkt trotzdem nicht angestaubt. Das ist allerdings auch der Leistung der Schauspieler zu verdanken. Durch ihr leidenschaftliches Spiel entsteht ein starker Kontrast zum sehr kühlen, metallenen Bühnenbild, dessen Neonröhrenbeleuchtung anfangs leichte Skepsis hervorruft.

Natascha Marmier als Luise nimmt man sowohl die aufgeregte Verliebtheit ab, als auch die Vaterliebe, die sie ein so leichtes aber eindrucksvolles Opfer der höfischen Intrigen werden lässt. Der Präsident versteckt hinter seinem Nadelstreifenanzug eine höchst gerissene Fassade und Peer-Uwe Teeska bringt das beängstigend gut zum Ausdruck. Besonders beeindruckend sind die Streitgespräche mit seinem Sohn, woran natürlich auch Yves Hinrich als selbiger einen großen Anteil hat. Er gibt dem Ferdinand so eine Leidenschaft, so ein inneres Feuer, dass man auch als Zuschauer brennt. Für die Liebe. Und die Wahrheit.

Unglaublich eindrucksvoll durch ihre klare Art ist auch Lady Milford, gespielt von Danne Hoffmann. Als sie beschließt, den Hof zu verlassen um der Liebe von Ferdinand und Luise eine Chance zu geben, zieht sie ihre hochhackigen Schuhe aus. Sie verweigert sich den höfischen Spielchen. Und dann ist da noch Wurm, der Sekretär des Präsidenten. Peter W. Bachmann hat es geschafft, diesen Namen mit Leben zu erfüllen, ihn spielerisch völlig auszuformen. Es wird einem ganz schlecht beim Hinsehen, von soviel Schmeichelei und Anbiederei, mit der er versucht Luise zu bekommen. Kein Mittel bleibt ungenutzt. Für die Liebenden bleibt nur noch ein Ausweg: ein anderes Leben. Die Limonade ist der Schlüssel zum Glück. Wohl bekomm?s!

Regie: Enrico Lübbe

Über Gastbeitrag

Erstellt: 22.03. 2007 | Bearbeitet: 12.10. 2009 02:46